Erfahrungsbericht Familie Dohm aus Starnberg zur inklusiven Schulbildung in Bayern

 

 

 

 

 

 

 


 

 

„Sie tun wirklich alles, alles außer Inklusion!“

Hier könnte Euer Erfahrungsbericht stehen!
Wer uns unterstützen möchte, schickt einen Erfahrungsbericht an:
info@interessengemeinschaft-bildungsrecht-inklusion.com
gerne auch anonym.

 

Leserbrief "Abschulung mit System" vom 13.07.2020
Merkur Starnberg

Wir sind wirklich froh, dass wir die Grundschulzeit in Bayern endlich hinter uns gebracht. Nachdem 3 Grundschulen:

Grundschule Söcking, Schulleitung Frau Petra Fromm-Preischl

https://www.merkur.de/lokales/starnberg/erste-trauung-unterbrunner-pfarrhof-5088814.html

 

Grundschule Münsing, Schulleitung Frau Anegret Pauli
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/die-rektorin-wechselt-heimlich-in-den-ruhestand-1.3663866

Grundschule Starnberg, Schulleitung Frau Carina Rescher
https://www.merkur.de/lokales/starnberg/starnberg-ort29487/starnberg-advent-schule-bayern-verbrecher-deutschland-inklusion-schueler-lehrer-zutritt-weihnachten-nikolaus-13277394.html

mit allen Mitteln versucht haben unseren Sohn in eine Einrichtung/ Förderschule/Sonderschule abzuschulen, we
il es keine Inklusion im Bildungsbereich gibt und die "angemessenen Vorkehrungen" (fehlende inklusive Pädagogik, fehlende inklusive Schulbegleitungen der Dienste/Träger) nicht geschaffen werden, was eine Form der Diskriminierung darstellt, da die UN-BRK ein Abkommen ist.

Was wir in diesen Jahren alles erlebt haben und erdulden mußten, wünschen wir keinem Kind und keiner Familie, aber wir sind hier leider kein Einzelfall, es scheint ein System dahinter zu bestehen, dass wir hier aufzeigen und die Bürger darüber aufklären möchten, da alle Kinder ein Recht auf Bidlung haben.

 

Es ist eine Art Abschulung/Diskriminierung von Kindern mit Behinderungen, die in dieser Form nur in Bayern möglich ist, weil Eltern keine vollständige Akteneinsicht in alle Akten erhalten, um fehlerhafte Informationen und Daten berichtigen zu können, da sich die Schulen, Jugendämter und sonstige Behörden leider nicht immer an den Datenschutz zu halten scheinen.

Wir lehnen die Segregation behinderter Kinder ab und fordern den gesetzlichen Anspruch für eine wohnortnahe, hochwertige und inklusive Schulbildung.

Staaten die ein Sonder-Förderschulsystem zum regulären Schulsystem weiter aufrechterhalten, stehen im Widerspruch zur Verpflichtung aus Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention.

 

Seit Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat, dürfen die Eltern behinderter Kinder den Lernort frei wählen. Jedoch hat Bayern die bayerischen Schulgesetze nicht novelliert. Das hat dazu geführt, dass sich die inklusiven Lernbedingungen an den Regelschulen bis heute kaum verbessert haben und bisher nur integrativ aber nicht inklusiv unterrichtet wird. Es gibt bisher kaum eine Schule in Bayern, die ein inklusives Schulkonzept mit inklusiver Pädagogik entwickeln konnte.

 

Er betonte, dass die Umsetzung des Rechts auf inklusive Bildung als transformativer Prozess im Rahmen einer systemischen Reform zu begreifen sei, die einen tiefgreifenden Wandel der Bildungssysteme nach sich ziehe. Dafür müsse die Politik die Rahmenbedingungen, vor allem Gesetze, Konzepte und Finanzierung, aber auch Bildungs- und Ausbildungsinhalte, Lehrmethoden, Strukturen und Strategien anpassen. Insbesondere sei sicherzustellen, dass auf allen Bildungsebenen angemessene Vorkehrungen bereitgestellt würden."

 

Unsere bisherigen Erfahrungen mit dem bayerischen Weg der Inklusion

An den Grundschulen in Bayern haben wir selten viel Mitgefühl, Menschlichkeit, Verständnis oder Nächstenliebe erfahren dürfen. Nach leidvollen Erfahrungen haben wir den Eindruck gewonnen, dass das bayerische Schulsystem mit der Inklusion komplett überfordert zu sein scheint.

 

Wir haben den Eindruck, dass die Lehrer/innen, die Schulleitungen, die Mitarbeiter beim Jugendamt und bei den Familiengerichten den gesetzlichen Anspruch von inklusiver Schulbildung nicht bekannt zu sein scheint. Es steht zwar im Gesetz, dass die inklusive Schulentwicklung Aufgabe ALLER Schulen ist, aber das Gesetz lässt offen, wie inklusive Schulbildung an den allgemeinbildenden Schulen umgesetzt werden soll. Es gibt keine inklusiven Schulkonzepte, kein zusätzliches Schulpersonal in den Inklusionsklassen, keine inklusive Pädagogik, kein Geld für inklusive Maßnahmen oder für die Ausbildung der Schulbegleitungen, es gibt keine entsprechend ausgebildeten schulischen Assistenzkräfte und keine Inklusionsausbildungen für Lehrer*innen und Schulleitungen.
Alles scheint weiterhin aufgebaut auf aussondernde Behindertenstrukturen mit der Ausschlussmöglichkeit der Eigen- und Fremdgefährdung oder durch das Auffordern eines Notenschutzes, der dann dazu führt, dass keine Anstrengungen unternommen werden müssen, da das betroffene Kind ja dadurch aus dem Regelschulsystem entfernt und dem Sonderschulwesen automatisch zugeführt werden kann. 

Unser Sohn hat seine Frühgeburt überlebt, aber wird u.U. nun am
bayerischen Schulsystem scheitern, weil es keine inklusive Schulbildung gibt

Als unser jüngster Sohn wegen gesundheitlicher Komplikationen
12 Wochen zu früh geboren werden musste, war uns klar, dass seine Überlebenschancen nicht die Besten sind. Es gab starke Probleme durch eine Infektion der Lunge. Als unser Sohn in den Kindergarten ging, wurde er ständig krank. Durch seine Frühgeburt hatte er ein schwaches Immunsystem. Er konnte nicht wie andere Kinder ausdauernd umhertoben und Spaß haben. Die gesunden Kinder fanden das natürlich schnell langweilig und so war es sehr schwierig für ihn Freundschaften mit nichtbehinderten Kindern zu schließen. 

 

2015 - Einschulung an der Grundschule Söcking

Da sich die zuständige Sprengelschule, Grundschule Starnberg, für unseren Sohn nicht zuständig fühlte und ein persönliches Gespräch mit uns ablehnte, stellen wir einen Gastschulantrag an der Grundschule Söcking. Unser Sohn kam in eine Klasse, in der einige Jungs sehr gewaltbereit waren. Ständig verschwanden Hausschuhe, Hefte, Mützen usw. Sie wurden versteckt oder waren plötzlich ganz verschwunden. In den Pausen, auf den Fluren oder in der Umkleidekabine wurde unser Sohn täglich gedemütigt und als Behinderter beschimpft, weil er nicht so lange laufen konnte, nicht klettern konnte, zu langsam war und kein Fußball spielen konnte. Aus einem lebensfrohen und glücklichen Jungen wurde innerhalb weniger Wochen ein eingeschüchterter, ängstlicher Junge, der nicht mehr leben wollte. Es kam zu mehreren schweren körperlichen Übergriffen durch diese Mitschüler.  Unser Sohn entwickelte mit der Zeit sehr starke Schulängste. Nach einem schweren körperlichen Übergriff in der Schule mit einer Gehirnerschütterung, hatte unser Sohn solch große Ängste vor diesen Jungs, dass wir ihn von der Schule nehmen mussten.
 

2016 - Die Suche nach einer Schule mit dem Schulprofil Inklusion
Die Schulleitung erklärte uns, dass wir einen Schulplatz suchen müssen, wenn wir inklusive Bildung wünschen. Diese Aussage war natürlich falsch, aber das wußten wir zu der Zeit noch nicht. Denn ALLE Schulen müssen inklusive Bildung gewährleisten. Wir sprachen ca. 10 umliegende Grundschulen an (Regelschulen und Privatschulen), ob sie unseren Sohn aufnehmen würden. Wir erhielten von allen Grundschulen eine Absage. Das Schulamt Starnberg konnte oder wollte uns nicht helfen. So suchten wir weiter und fanden tatsächlich eine Grundschule mit dem Schulprofil Inklusion in Münsing im Landkreis Bad Tölz. Wir stellten uns dort im April 2016 vor und bekamen tatsächlich einen Schulplatz in der 1. Klasse. Die damalige langjährige Schulleiterin Frau Banner hatte das Profil Inklusion mit viel Engagement, Herzblut, innerer Überzeugung und Herzensbildung aufgebaut. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hatte unser Sohn seine Schulängste aus der vorherigen Schule verarbeitet und neue Freunde gefunden. 

2017 - Gesundheitliche Probleme
Doch im Laufe der Zeit verschlechtere sich der Gesundheitszustand unseres Sohnes durch die vielen Infekte. Wegen seiner Abwehrschwäche steckte er sich in der Schule von anderen Mitschülern sofort mit Infekten der oberen Atemweg an.  Er war sogar eine zeitlang so schwer krank, dass er ein halbes Jahr nicht zur Schule gehen konnte. Er bekam dann
5 Stunden pro Woche Hausunterricht von der Regierung genehmigt.
Da aber keine freie Lehrerin zu Verfügung stand, buchten wir auf eigene Kosten für diese Zeit einen Platz an der Web-Individualschule in Bochum. Das Jugendamt Starnberg verweigerte jedoch die Kostenübernahme und es wurde vom Schulamt als Beschulungsform nicht genehmigt. Als es unserem Sohn im Sommer besser ging, kehrte er zum 3. Schuljahr zurück an die Grundschule Münsing.

 

2018 - Das Problem mit den Schulbegleitungen

In Bayern ist die Eingliederungshilfe zwischen dem Jugendamt und dem Bezirk Oberbayern aufgeteilt. Durch einen Zuordnungsfehler des Jugendamtes Starnberg wurde unser körperbehinderter Sohn dem Kreis der "seelisch Behinderten" zugeordnet, weil die Sonderpädagogin der Grundschule Münsing unseren Sohn einen falschen Förderbedarf zugesprochen hatte, da sie für die Körperbehinderung nicht zuständig war. Wir wußten damals nicht, welche Sonderpädagogen welche Schwerpunkte betreuten. Das wurden uns nicht gesagt.
Als zum Schulhabjahr der 3. Klasse die Schulbegleitung unseres Sohnes in Mutterschutz ging, konnte das Jugendamt Starnberg keine neue Schulbegleitung finden. Dieser interne Zuordnungsfehler führte zu einem Zuständigkeitsstreit zwischen dem Jugendamt Starnberg und dem Bezirk Oberbayern, der fast zwei Jahre andauerte und final nur durch Intervention des von uns angerufenen Sozialgerichts geklärt werden konnte. Fassungslos über diese Vorfälle starteten wir damals unsere 

Petition bei Change.org:

Starnberg VERWEIGERT behinderten Menschen Teilhabeleistung als Schulbegleitung (Inklusion)

https://www.change.org/p/starnberg-verweigert-behinderten-menschen-teilhabeleistung-als-schulbegleitung-inklusion

Kein Schulbesuch ohne Schulbegleitung möglich

Unser Sohn hatte in dieser Zeit viele Synkopen, die sich als hypotone Kreislaufregulationsstörung entpuppten, deren Ursache in der Frühgeburt zu suchen ist. Der Blutdruck fällt plötzlich stark ab und es kommt zu diesen Synkopen. Deshalb sind die Fachärzte der Auffassung, dass unser Sohn bis auf Weiteres nur mit einer ausgebildeten Schulbegleitung zur Schule gehen könne. Das Jugendamt Starnberg
konnte in über 8 Monaten bei über 14 Trägern keine neue Schulbegleitung finden. Infolge dessen konnte er über 8 Monate nicht zur Schule gehen.  Wir reichten Klage beim Sozialgericht ein. Eine weitere Beschulung durch Hausunterricht lehnten wir ab, da diese Form nur gewährt wird, wenn ein Schüler länger als 6 Wochen krank ist und dies von einem Arzt bestätigt werden muß.  Desweiteren verliert er dadurch seinen Anspruch auf Eingliederungshilfe für eine Schulbegleitung und ein Schulbesuch wäre weiterhin nicht möglich. 

Das Jugendamt Starnberg verweigerte uns das Persönliche Budegt für eine Schulbegleitung mit den Worten "Persönliches Budget hat hier in Starnberg noch niemand für eine Schulbegleitung bekommen". Die Kosten für eine Fernschule bei der Web-Individualschule wollten sie auch nicht übernehmen. Das ist schon wirklich eine Dreistigkeit.

Trotz eines Attestes eines Facharztes, der den Besuch der Grundschule nur mit einer ausgebildeten Schulbegleitung erlaubte, da es bereits zu einem notärztlichen Einsatz an der Grundschule Münsing gekommen war, bestand die neue Schulleitung, die seit Sommer 2017 die Schule führte, auf den Schulbesuch unseres Sohnes auch ohne ausgebildete Schulbegleitung. Sie zweifelte die Behinderung (G.d.B. nach ZBFS Bescheid 70% und Merkzeichen G und B), die fachärztlichen Diagnosen und die klinischen Gutachten unseres Sohnes einfach an und ersetzte diese Diagnosen durch eigene Laiendiagnosen, ohne irgendeine medizinische Ausbildung aufweisen zu können. 
 

2018 - Verhandlung vor dem Sozialgericht München
Am 03.07.2018 fand die Verhandlung am Sozialgericht München statt.
Da war das 3. Schuljahr dann fast vorbei, ohne Beschulung unseres Sohnes. Auch der Richter am Sozialgericht München hat anhand der ihm vorliegenden Akte mit über 500 Seiten, die auch die Arztberichte, Gutachten, den Schwerbehindertenausweis etc. beinhaltete, eindeutig eine Körperbehinderung und keine seelische Behinderung oder gar Mehrfachbehinderung bestätigen können. Somit wurde unser Fall der Eingliederungshilfe nach 2 Jahren Zuständigkeitsstreit zwischen dem Jugendamt Starnberg und dem Bezirk Oberbayern durch das Gericht final dem Bezirk Oberbayern richtig zugeordnet.

Der Bezirk Oberbayern hatte unsere Anträge auf Eingliederungshilfe zuvor drei Mal abgelehnt. Durch die Gerichtsverhandlung, fühlte sich der Bezirk Oberbayern nun aber für das neue Schuljahr 2018/19  zuständig. Da unser Sohn allerdings so häufig krank ist und dann nicht zur Schule gehen kann, verlangten wir vom Bezirk die Kostenübernahme für die Schulbegleitung auch im Krankheitsfall unseres Sohnes und bei verkürzten Unterricht, weil wir ansonsten keine Schulbegleitung für unseren Sohn finden würden, da die Refinanzierung zwischen Kostenzahler und Leistungsträger nicht vollständig abgesichert ist. In der Regel übernimmt der Kostenzahler nur die tatsächlich geleisteten Stunden in der Schule. Wenn behinderte Kinder häufig krank sind, verdienen die Schulbegleiter in dieser Zeit kein Geld. Es gibt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall des behinderten Kindes und die Verträge laufen immer bis zu den Sommerferien. Dann müssen sich die Schulbegleitungen arbeitslos melden.

 

2018 - Die Suche nach einer neuen Schulbegleitung
Wir bekamen den Bescheid vom Bezirk Oberbayern leider nicht mehr rechtzeitig. Wir schalteten daher selbst die Anzeigen und übernahmen auch die Kosten dafür. Dadurch war es uns möglich selbst eine Schulbegleitung zu finden. Wir führten die Vorgespräche bei uns daheim und erfuhren so über die unfairen Arbeitsbedingungen der Schulbegleitungen, was uns direkt zu einer weiteren Petition veranlasste:

 

Schulbegleitung Bayern-wir fordern Kontinuität, faire Bezahlung statt prekärer Bedingungen

https://www.change.org/p/schulbegleitung-bayern-wir-fordern-kontinuit%C3%A4t-faire-bezahlung-statt-prek%C3%A4rer-bedingungen

 

Diese Gespräche waren für uns sehr wichtig, um zu verstehen, wo wirklich die Schwierigkeiten und Probleme liegen. Über Probleme mit der Bezahlung und der Refinanzierung zwischen Kostenzahler und Leistungsträger hätten wir sonst nie etwas erfahren. 

 

2018 - Das 4. Schuljahr an der Grundschule Münsing 
Das 4. Schuljahr begann und unser Sohn freute sich endlich wieder an seine Grundschule zurückkehren zu können. Zum Schulbeginn in Bayern mussten wir nun auch unsere jüngste gesunde Tochter an der Grundschule Münsing anmelden, denn es wäre logistisch nicht zu bewältigen, ein Kind in Starnberg und ein Kind in Münsing beschulen zu lassen. Dafür gibt es im bayerischen Schulgesetz für Familien eine Geschwisterregelung, so dass für das Geschwisterkind ein Gastschulantrag gestellt werden kann. 
Doch freiwillig wurde uns die Anmeldung unserer Tochter in Münsing nicht gestattet. So mussten wir erneut gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen, diesmal vor dem Verwaltungsgericht in München. Wir bekamen auch in diesem Fall Recht.

Nachdem unser Sohn also über ein halbes Jahr nicht zur Schule gehen konnte, kehrte er am 11.09.2018 zusammen mit seiner Schwester an seine Schule zurück.

Da unser Sohn das 3. Schuljahr wegen fehlender Schulbegleitung nur an 22 Tagen besuchen konnte, fragten wir uns schon wie das funktionierne soll, da die neue Schulleitung unseren Sohn einfach so in die 4. Klasse versetzt hatte, aber damals waren wir noch so naiv und dachten, die Lehrkräfte werden schon wissen was das Beste für unseren Sohn sein wird. Weit gefehlt.

 

Bereits in der ersten Woche musste unser Sohn dort zahlreiche Leistungsnachweise schreiben, obwohl er an vielen Unterrichtsinhalten des letzten Halbjahres gar nicht teilnehmen konnte und ohne das zuvor die verpassten Unterrichtsinhalte aus dem 2. Halbjahr der 3. Jahrgangsstufe in der Schule  nachgeholt worden wären. Stattdessen wurde nun von der Schule verlangt, dass wir dafür verantwortlich sind, alle verpassten Unterrichtsinhalte zu Hause zusätzlich zum Lehrplan der 4. Klasse nachzuholen. Wir konnten ein inklusives pädagogischen Konzepte einfach nicht mehr erkennen. Was die neue Schulleitung tut, wird in Fachkreisen gemeinhin als Integration und nicht als Inklusion verstanden. Dafür hätten wir nicht jeden Tag zweimal den Weg von Starnberg nach Münsing auf uns nehmen müssen. Nachdem mit der neuen Schulleitung kein Konsens hinsichtlich der Fortführung der inklusiven Beschulung gefunden werden konnte,
gab es zunehmend Probleme.

  

Abschulungsversuch - Akt 1
Der Abschulungsversuch durch die Schulleitung Frau Pauli

Zwei Wochen später erhielten wir eine schriftliche Mitteilung von der Grundschule Münsing. Darin wurde uns mitgeteilt, dass man unseren Sohn nicht weiter beschulen könne und wir eine Einrichtung für ihn suchen sollen. Nach ca. zwei Schulwochen im neuen Schuljahr hat die neue Schulleitung also versucht unseren behinderten Sohn auf eine Einrichtung abzuschulen. Dabei hätte sie ihn einfach nur in die 3. Klasse versetzen müssen. Zu diesem Zeitpunkt hatte unser Sohn noch nicht einmal einen Nachteilsausgleich vom MSD-Fachdienst für Körperbehinderung und im individuellen Förderplan wurden keine Ziele vereinbart, wie er die verpassten Unterrichtsinhalte wird nachholen können. Doch davon wussten wir lange Zeit nichts, da uns der individuelle Förderplan von der neuen Schulleitung gar nicht ausgehändigt wurde und wir dies erst mit anwaltlicher Hilfe einfordern konnten. Für den Nachteilsausgleich hat die Grundschule über ein Jahr benötigt, da die Frau Pauli diesen Nachteilsausgleich zuerst verweigert hatte mit den Begründungen, unser Sohn habe gar keine Behinderung.

Gegenwärtig wird an der Grundschule Münsing Integration praktiziert, keine Inklusion.  In Münsing erhalten die behinderten Kinder entweder einen Notenschutz, wenn es schwierig wird, da durch die fehlende Benotung kein Druck beim Kind erzeugt wird, da das Kind dann keinem Lehrplan mehr folgen muss. Die Behinderten laufen dann so mit und können nur noch bis zum Ende der Grundschulzeit an der Regelschule verbleiben. Dann wechseln sie automatisch auf eine Sonder- Förderschule. 

 


Abschulungsversuch - Akt 2
Die verleumderische, falsche Kindeswohlgefährdungsmeldung 

Nur kurze Zeit später erreichte uns durch das Jugendamt Starnberg die Mitteilung, dass eine Kindeswohlgefährdungsanzeige für unsere Tochter vorliege, der man pflichtgemäß nachgehen müsse. Wie sich herausstellte, wurde die Anzeige von der Schulleitung Frau Pauli der GS Münsing erstattet. Da zuvor überhaupt kein Gespräch stattgefunden hatte, kannten wir keine konkreten Vorwürfe. Eine Akteneinsicht wurde uns verweigert. "Man möge sich kooperativ zeigen und keine Bedingungen an die Gesprächsteilnahme knüpfen." Nach Rechtsstaatlichkeit klingt das nicht gerade, eher wie „Management nach Gutsherrenart“Da unsere Familie das Gegenteil eines sozialen Brennpunktes darstellen dürfte und das Wohl unserer Kinder für uns das Wichtigste ist, vermuteten wir sofort, dass es bei diesem Akt eigentlich um den Abschulungsversuch unseres behinderten Sohnes ging und nicht um eine etwaige Kindeswohlgefährdung. 

Das Jugendamt Starnberg
Natürlich waren wir bereit mit dem Jugendamt Starnberg zusammenzuarbeiten, um dieses Unrecht aufzuklären. Wir haben eine amtsärztliche Untersuchung unserer Tochter veranlasst, es wurde eine Hospitiation an der Grundschule Münsing vorgenommen, sowie ein Hausbesuch. Zudem haben wir einen klinisch anerkannten
 IQ-Test unserer Tochter veranlasst. Da uns die Gefährdungsmeldung der Schule nicht schriftlich ausgehändigt wurde, verlangte unsere Anwältin Akteneinsicht. Diese wird uns nun seit November 2018 vom Jugendamt Starnberg verweigert, mit der Begründung „es gäbe gar kein Verwaltungsverfahren“. Trotzdem zeigten wir uns kooperativ und nahmen an einem Gesprächstermin beim Jugendamt Starnberg zusammen mit der neuen Schulleitung Frau Pauli der Grundschule Münsing und unserer Anwältin teil.

 

2019 - Gesprächstermin Jugendamt Starnberg

Am 02.01.2019 fand das Gespräch statt. Es wurde von uns verlangt eine Schweigepflichtentbindung zu unterzeichnen, damit sich das Jugendamt mit der Kinderärztin unserer Tochter und dem Amtsarzt austauschen konnte. Wir stimmten wie gesagt dem Hospitationstermin an der Grundschule Münsing zu und auch einem Hausbesuch bei uns daheim, obwohl in diesem ersten Gespräch die niederschwelligen Vorwürfe bereits weitgehend entkräftet werden konnten. Nachdem die Termine "abgearbeitet wurden" und, wie nicht anders zu erwarten war, keine Kindeswohlgefährdung bei unserer Tochter festgestellt werden konnte, forderte unsere Anwältin erneut die Akteneinsicht beim Jugendamt Starnberg ein. Diese wurde uns erneut verweigert. Stattdessen wurden wir nun vom Jugendamt unter erneuter Anwaltsumgehung aufgefordert, erneut zu einem weiteren Gespräch  zu erscheinen. Da aber eindeutig keine Kindeswohlgefährdung bei unserer Tochter vorlag, schien es hier in Wirklichkeit nur darum zu gehen, dass die neue Schulleitung Druck auf uns ausüben wollte, damit wir die Grundschule Münsing endlich freiwillig verlassen und nicht länger die fehlende inklusive Schulbildung bemängelten. 

Uns wurde zwischenzeitlich vom Jugendamt Starnberg mitgeteilt, dass erfreulicherweise  eine Kindeswohlgefährdung ausgeschlossen werden konnte und das Überprüfungsverfahren abgeschlossen wurde.
Plötzlich gab es also doch ein Verfahren?

 

2019 - Klage vor dem Verwaltungsgericht München und
Datenschutzbeschwerde 

Wir haben Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, um Akteneinsicht zu erhalten zumindest für die über und gespeicherten personenbezogenen Daten. Ebenso haben wir Datenschutzbeschwerde erhoben und eine Beschwerde beim Bayerischen Landtag.

2019 - Abmeldung der Kinder von der Grundschule Münsing
Am 19. März 2019 haben wir unsere Kinder von der Grundschule Münsing abgemeldet. Inklusion kann man nicht einfordern, wenn sie nicht gewünscht ist, auch nicht an einer Schule mit dem Schulprofil Inklusion. Unsere Kinder waren dort nicht erwünscht. Sie hatten unter diesen schwierigen Bedingungen keine Zukunftsperspektive. Auch ist es schwierig Freundschaften zu knüpfen, der Fahrtweg ist
 einfach zu weit. Inklusion beginnt somit am Wohnort.

Hassbrief

Wir haben am 13.04.2019 einen Hassbrief mit Absender
"ELTERNBEWEGUNG der INKLUSIONSSCHULE Münsing" erhalten.
Dieser Hassbrief wurde uns ohne Unterschrift und Absender per Post zugestellt. (Poststempel vom 12.04.2019, Briefzentrum Augsburg) 

 

Weitere Drohung per Mail

Wir haben am 16.04.2019 eine weitere Drohung per Mail von
einem Schorch erhalten. Wir haben Anzeige erstattet und einen Strafantrag eingereicht. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt.

2019 - Grundschule Starnberg

Wir meldeten unsere Kinder an der zuständigen Sprengelgrundschule in Starnberg an. Am 08.04.2019 ging es also los. Es ist die 3. Grundschule und sogar die 4. Schulklasse für unseren Sohn. Wir meldeten unseren Sohn nun in die 3. Klasse an, um die verpassten Unterrichtsinhalte nachholen zu können. Im Herbst/Winter der 4. Klasse nahmen die vielen Infekte und Synkopen wieder zu. Er verpasste dadurch viel Unterrichtsstoff, der in der Schule nicht nachgeholt werden konnte. Daher forderten wir Unterlagen (was zu Coronazeiten nun ja kein Problem war). Doch diese wurden uns zuerst nicht vollständig ausgehändigt. "Dies könne die Lehrkraft nicht leisten." hieß es. Erneut wurde die Behinderung unseres Sohnes angezweifelt. Die zuständige Sonderpädagogin wusste nach 2 Monaten noch nicht, dass unser Sohn eine Behinderung hatte, obwohl wir ihr alle Gutachten und Arztberichte zugesandt hatten. Sie glaubte, er sei nur krank und er muß sich halt nur mehr anstrengen. Verpasste Proben durfte unser Sohn laut Schulleitung zuerst nicht nachschreiben. Eine Rechtsgrundlage gibt es dafür nicht. 

Abschulungmethode durch Notenschutz

Auch wir werden seit Monaten von der Schule dazu gedrängt doch endlich einen Notenschutz für unseren Sohn zu beantragen.

Am 05.12.2019 erhalten wir ein Schreiben der Schulleitung, die uns dringend zu einer Notenaussetzung drängen möchten. Dann muß die Schule keine inklusive Bildung entwicklen. Da wir inklusive Bildung wünschen und die Schule dies ohne Unterstützung durch das Ministerium natürlich nicht leisten kann, wird unser Sohn in der Schule so bewertet, als wäre es ein Kind ohne Behinderung. Dies wird damit begründet, dass es ein Gleichstellungsgesetz geben würde. Natürlich wird es in diesem Fall von der Schule falsch angewendet, da Schüler mit Behinderungen ja einen Nachteilsausgleich haben.

Als nun am 24.01.2020 alle Schüler der 4. Klasse der Grundschule am Schlossberg ihre Zwischenzeugnisse für den Übertritt überreicht bekamen, wurde bei unserem Sohn im Fach HSU keine Note vergeben mit der Begründung, dass unser Sohn nicht an allen Leistungsnachweisen teilnehmen konnte und eine Leistungsbeurteilung daher nicht möglich sei.  Das Nachschreiben einer verpassten HSU Probe, die wegen seiner Behinderung entstanden war, wurde zuvor sogar schriftlich abgelehnt. So stand im  Zwischenzeugnis (Zwischeninformation) in HSU keine Note, obwohl unser Sohn in einem schriftlichen Leistungsnachweis die Note 1 erreichten konnte. Wir wurden seit Monaten von der Schule mehrfach mündlich und schriftlich aufgefordert einen Notenschutz zu beantragen.

Der Nikolaustag 

Am 06.12.2019 wird die Schulbegleitung krank und ich bemühte mich kurzfristig um einen Ersatz. Doch unser Sohn darf das Schulgebäude nicht betreten. Seine Schwester darf am Unterricht teilnehmen.

****in Bearbeitung ****
 

Wir werden uns weiterhin für eine inklusive Bildung einsetzen, denn dies ist die beste Bildungsform für ALLE Kinder. Wir fordern Inklusion und Teilhabe. Es ist diskriminierend wie wir als Familie mit einem Kind mit Behinderung behandelt werden, weil wir das Recht auf inklusive Bildung fordern.
http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayEUG-30b?hl=true


Susann Dohm
Botschafterin für inklusive Bildung

Nach Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention dürfen Menschen
mit Behinderungen nicht weiter vom allgemeinen Bildungssystem
ausgeschlossen werden. Vielmehr ist ihnen ein Zugang zu einem inklusiven und hochwertigen Unterricht an wohnortnahen Grundschulen und weiterführenden Schulen zu gewähren.

Zwischeninformation Elias.jpg
Nikolaus.jpg
BR Quer youtube_2.jpg
Leserbrief Abschulung mit System.jpg

 

Presseberichte / TV-Bericht :

https://www.youtube.com/watch?time_continue=27&v=OJPj0f8eDL4&feature=emb_logo

https://www.news4teachers.de/2020/01/ein-koerperbehinderter-junge-darf-nicht-zur-schulfeier-kommen-zurecht-sagt-das-schulamt-wie-bayern-bei-der-inklusion-hinterherhinkt/

https://www.merkur.de/lokales/starnberg/starnberg-ort29487/starnberg-advent-schule-bayern-verbrecher-deutschland-inklusion-schueler-lehrer-zutritt-weihnachten-nikolaus-13277394.html

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/zu-wenig-personal-lehrer-fuehlen-sich-mit-inklusion-ueberfordert-1.4732229

https://www.merkur.de/lokales/starnberg/starnberg-ort29487/inklusion-in-schule-auch-lehrer-im-landkreis-starnberg-ueberfordert-13360319.html

https://www.merkur.de/lokales/starnberg/starnberg-ort29487/eine-petition-fuer-recht-auf-inklusion-9617957.html

 

https://www.bllv-starnberg.com/single-post/2018/02/20/Presseerkl%C3%A4rung-des-BLLV-Starnberg-zum-Stand-der-Inklusion-in-Starnberg-%E2%80%9ELehrer-werden-allein-gelassen%E2%80%9C-%E2%80%9EDie-Rahmenbedingungen-stimmen-hinten-und-vorne-nicht%E2%80%9C

 

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/engagement-ein-weiter-weg-zur-inklusion-1.3872647

 

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/bildung-landkreis-soll-weitere-schulen-fuer-inklusion-bekommen-1.3894655

 

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/starnberg-neue-inklusionsschulen-im-landkreis-1.3914492

 

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/gelebte-demokratie-im-namen-des-volkes-1.3925184

 

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/starnberg-weit-entfernt-von-schulischer-inklusion-1.4105082

Quelle: 

https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/ANALYSE/Wer_Inklusion_will_sucht_Wege_Zehn_Jahre_UN_BRK_in_Deutschland.pdf?fbclid=IwAR0AiXbsEeSQMGiuYKUdN_G03SMkSCnvTfAAw4H0md7Y37pAfLs4WOMK5ec

 

https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/117/1911745.pdf?fbclid=IwAR3h74h8u732AChOS2kkLVf2oaRoleqq0tM5BDv5Mw-6TtQMxtwfbzYYpT8

Büroanschrift:
Von-der-Tann-Straße 31
82319 Starnberg
Deutschland

Verantwortlich: 
Susann Dohm
Botschafterin für inklusive Bildung

Folgen Sie uns online.

  • Facebook
  • Twitter
  • LinkedIn Social Icon

©2020 by Interessengemeinschaft Bildungsrecht Inklusion Proudly created with Wix.com

Interessengemeinschaft BRK24
 Bildungsrecht Inklusion